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Bin nun seit vier Wochen wieder in Deutschland. Habe viel erreicht: neuen Bus, Sommerreifen besorgt, beide Fahrräder aufgebaut, 1,5 Wochen in der neuen Schule überlebt und einen guten Eindruck von den Menschen dort, klettern/bouldern läuft wieder und ein paar Menschen aus Köln und Aachen habe ich auch schon wiedergetroffen. Gestern Abend war ich sogar auf meinem ersten Death Metal-Festival in Düsseldorf. Es läuft also! Ja, eine Wohnung wäre noch praktisch, denn dann könnte ich sie einrichten und meine bei Freunden in Aachen und Eschweiler eingelagerten Klamotten, Bücher, Küchenutensilien und Schulsachen holen. So lebe ich mehr oder weniger aus dem Koffer. Also, Klagen auf hohem Niveau: Bei Carla habe ich eigentlich alles, was ich brauche (Parkplatz für Van & Räder, Bett, Schreibtisch/-stuhl, Schrank, Waschmaschine, Küche) und wir verstehen uns gut. Genieße unsere Gespräche auf der Treppe. Sie hat immer ein offenes Ohr und steht mit Rat und Tat bereit, wenn ich mal nicht mehr weiterweiß. Fast wie meine Aachener Freundin Raphaela.
In der Schule läuft es entspannt. Ich unterrichte bisher nur montags bis donnerstags, starte bis auf Donnerstag erst um 9.45h und bin -außer mittwochs- auch relativ früh (13.30h) fertig. Nächsten Dienstag wollen wir mal überlegen, wie es in Zukunft weitergehen soll. Ich soll meine eigene Gruppe bekommen, in der fortgeschrittene DaZ-Anfänger*innen sind, also Kinder & Jugendliche, die schon ein bisschen Deutsch können.
Beim Aufbau meines Alltagrades habe ich einen Fehler gemacht und die Pedale falsch herum angeschraubt. Dadurch habe ich mir das Gewinde in der linken Kurbel ruiniert. Hoffentlich kommt am Dienstag das Ersatzteil (eine 175er Kurbel). Solange fahre ich mit dem Mountainbike, wenn ich es im Fahrradkeller der Schule parke und nicht noch einkaufen möchte. Dann leiht mir Carla eins ihrer Räder. An die Räder bei meinem Vater komme ich nämlich, da sich der Haustürschlüssel nicht drehen lässt und somit nicht die Tür öffnet. Naja, am Mittwoch kommt er ja wieder und vielleicht ist bis dahin schon das Ersatzteil da.
Die Suche nach einer Basketballmannschaft hätte ich mir einfacher vorgestellt. Leider sind bei DJK Südwest -ein Verein, für den ich immer spielen wollte, weil sie so ein tolles Vereinsleben haben- die Teams in der Landes- und Bezirksliga voll bzw. der Trainer antwortet nicht. Vielleicht sollte ich mir doch mal die Kreisligamannschaft angucken? Klettern mag ich definitiv auch sehr gerne und Rennradfahren geht gerade nicht, denn das Rennrad steht bei meinem Vater im Keller und die Click-Pedal-Schuhe sind wahrscheinlich in Aachen oder Eschweiler. Naja, ab morgen wird’s ja auch hier im Rheinland frisch. Heute Nacht sinkt das Thermometer schon auf 3 Grad.
Einerseits bin ich froh, alle Erledigungen (inkl. Arbeit, Sport, Einkauf) per Rad erledigen zu können. Das Verkehrsaufkommen in und um Köln hat sich wirklich zu einem Albtraum entwickelt. Egal, zu welcher Tages- und Nachtzeit ich über die Autobahnbrücken radle, auf einer Seite ist immer Stau. Andererseits ist entsprechend die Beschallung: Selbst bei Carla höre ich immer ein Grundrauschen, wenn ich das Fenster öffne oder auf die Straße trete. Klar, nun werfen die Bäume die Blätter ab und dadurch schlucken sie weniger Schall, aber es gibt einfach auch mehrere Autobahnen in und um Köln. Und die vielen Ampeln nerven auch (ist nur noch in Düsseldorf schlimmer).
Der Donnerstag (6.11.) erwacht wieder mit einem herrlichen Sonnenaufgang. Um 7.40h habe ich einen Termin bei der Kfz-Zulassungsstelle in Köln Porz. Ich radle also früh morgens über den Rhein, während die aufgehende Sonne die Stadt in ein herrliches Licht taucht. Vor’m Schlafengehen habe ich noch schnell die Dokumente überprüft, die benötigt werden, und festgestellt, dass wohl eine neue Einzugsermächtigung von Nöten ist. Glücklicherweise ist Carla früh auf und erlaubt mir, den Familiendrucker zu benutzen, um das Formular auszudrucken. Was täte ich ohne sie?!? Ich trete jedenfalls in die Pedale und denke an die herrliche Radtour, die ich im Juli mit Karin gemacht habe. So schön kann Köln sein! Pünktlich lande ich in Porz, doch irgendwas ist bei der Terminbuchung schiefgegangen. Jedenfalls kann ich mir die Wartemarke nicht ausdrucken. Die Dame am Empfang -ein Kölsches Original- ist sehr hilfsbereit und freundlich. Ist es mein Lächeln? Mein Kölsch? Ruckzuck erhalte ich die Wartemarke. Auch der Sachbearbeiter ist sehr freundlich, kompetent und hilfsbereit. So geht’s doch auch! Er gibt mir den Tipp, die Nummernschilder nicht im Haus zu kaufen, sondern einen kleinen Spaziergang zu machen und „frische Luft zu schnappen“. Bei McDoof steht ein Anhänger, wo ich die Kennzeichen günstiger erstehe. Auch mit dieser Dame komme ich schnell ins Gespräch. Ja, auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán in den Zenoten hat es ihr auch sehr gefallen! Mit Wunschnummernschildern (K VW 920…ist ja ein Volkswagen, der im September 2020 erstzugelassen wurde), radle ich weiter Richtung Chorweiler. Dort lerne ich, wie Mensch mit Lernenden im Schulsportunterricht, Projekttagen, o.ä. klettern beibringt. Kann ich zwar schon, aber nun darf ich es auch in der Schule…außerdem erweitere ich gerne mein Wissen und Können. Und die meisten kletternden Menschen sind dufte Typen. Ach, und die Dozentin kenne ich ja vom Klettern aus Aachen. Ihr Sohn war früher in meiner Jugendklettergruppe vom Alpenverein.
Am Rhein ich zunächst nach Nippes, gönne mir bei Merzenich auf der Neußer Straße eine Nussecke. Nächster Halt: Schreibwarengeschäft an der Haltestelle Florastraße. Dort ergattere ich eine Hülle für den Fahrzeugschein. Freue mich, dass gewisse Instanzen der Gentrifizierung trotzen. Dieses Geschäft gegenüber vom Golde Kappes gab es schon, als ich 1991 nach Nippes gezogen bin.
In der Zulassungsstelle hat sich mein Schulschlüssel unter den Wartesitzen verklemmt und beim Aufstehen habe ich mir den Schlüsselring ruiniert. Also stoppe ich bei einem Sicherheitsgeschäft. Als ich den freundlichen Verkäufer frage, was ich ihm schuldig bin, antwortet er: „Schenke ich Ihnen.“ Viva Colonia! Warum sind nicht alle Menschen so freundlich?!? Mit einem breiten Grinsen rolle ich weiter am Fühlinger See vorbei zur Kletterhalle nach Chorweiler. Ich bin fast 20‘ zu früh. Zwar klettern wir nicht so viel, lernen aber natürlich viel über Sicherheit, gesetzliche Vorgaben und Technik. In der Mittagspause sitzen wir in der Sonne, genießen unsere Pausenbrote und erzählen von unseren Abenteuern in den Bergen. Die Truppe ist so sympathisch, dass wir uns vornehmen, auch in Zukunft zusammen klettern zu gehen. Ich würde mich freuen, wenn’s klappt, denn immer nach Aachen zu gurken, ist zwar gelegentlich mal eine Option, aber sicher nicht regelmäßig.
Nach der Fortbildung fahre ich von Chorweiler nach Ehrenfeld und dann weiter ins Sechzigviertel in Nippes. Hier sehe ich mir zwei Wohnungen an. Die Lessingstraße liegt etwa einen Kilometer von meiner alten Wohnung in der Iltisstraße (Takuplatz) entfernt! Ich fühle mich direkt zu Hause: Auf der einen Seite liegt die Venloer Straße mit dem Cinenova und diversen Geschäften für den täglichen Bedarf, auf der anderen die Subbelrather Straße mit Kölns bester Eisdiele, dem Speisemeister, usw.. Es gibt diverse Parks und die Wege sind kurz. Die 1-Zimmer-Wohnung liegt im ersten Stock, ist 50m2 groß, hat einen Nordostbalkon in den Hinterhof, ein kleines Bad mit Fenster und drei Fenster, die zur ruhigen Lessingstraße zeigen. Eine Einbauküche ist in dem Loft schon drin (nur Kühlschrank und Waschmaschine fehlen noch). Selbst einen Teil der Möbel könnte ich übernehmen. €1000 warm. Haustiere erlaubt. Das Treppenhaus ist zwar ziemlich abgerockt, aber Hauptsache, die Wohnung ist gemütlich.
Die zweite Wohnung ist zwar besser geschnitten (Schlafzimmer, Wohnzimmer mit Kochnische, Wannenbad mit Fenster, Keller), doch hat sie keinen Balkon oder Garten. Und von Nippes nach Frechen sind es eine gute Dreiviertelstunde zur Schule…Ehrenfeld ist somit erstmal mein Favorit. Am Sonntag und Montag schaue ich mir noch Wohnungen in Wesseling und Hürth Efferen an. Von Wesseling dauert es eine Stunde mit dem Rad und €1200 warm sprengt eigentlich meine finanziellen Vorstellungen. Allerdings hat sie einen herrlichen Blick auf den Rhein und einen Garten.
Hürth Efferen liegt am nächsten an meinem neuen Gymnasium dran und der Stadtwald ist auch nicht weit. €1200, 48m2, 2-Zimmer, Neubau, Kochnische (Einbauküche), Erdgeschoss, Balkon & kleiner Garten, Fußbodenheizung, eigener Kellerraum und Gemeinschaftsfahrradkeller.
Lassen wir uns überraschen, wie die Besichtigungen laufen und für wen sich die Vermieter entscheiden…am Abend bin ich über 50Km Rad gefahren. Beim Abendessen vor der Flimmerkiste fallen mir die Augen zu. Die Tage sind lang, die Nächste kurz und Langeweile will sich nicht einstellen.
Am heutigen Samstag bin ich wieder früh auf. Mission: Auto in Schweinfurt abholen. Ich nehme den 146er Bus zum Neumarkt, steige in die U-Bahn Linie 18 um und bin so pünktlich am Hauptbahnhof, dass ich noch Zeit habe, im Reformhaus ein Brot zu kaufen und über die Hohenzollernbrücke zum Bahnhof Deutz zu gehen. Dort steige ich in den ICE nach Würzburg. Alles läuft rund. Naja, vor Aschaffenburg gab’s auf einer Nebenstrecke einen Personenschaden, so dass mehrere Züge im Stau stehen, aber bestimmt gibt’s mehrere Anschlüsse nach Schweinfurt per Regionalexpress.
Ich muss zugeben: Ja, ich bin ein Glückskind, aber -wie Carla bemerkt- tue ich auch viel dafür, dass es vorangeht. Das Leben ist schön!
Am Dienstag habe ich übrigens endlich meine Unterrichtsverteilung erhalten. Da es natürlich äußerst kompliziert ist, im laufenden Schuljahr den Stundenplan zu verändern, werde ich den vier internationalen Vorbereitungsklassen (IVK) zugeordnet. Ich laufe die ersten zwei Wochen bei meinen vier Kolleg*innen (von 177 Lehrkräften) mit, bevor ich dann wahrscheinlich eine eigene fortgeschrittene Anfängergruppe (A2) bekomme. Montags und dienstags habe ich von 9.45h bis 13.20h Unterricht, mittwochs von 9.45h bis 14.20h und donnerstags von 7.50h bis 13.20h. Freitags habe ich frei!!! Wieder einmal kann ich mein Glück kaum glauben! Zudem sind die Lerngruppen sehr klein, denn insgesamt gibt’s 46 Lernende…von etwa 1500.
Blick auf einen Eingang meiner neuen Schule in Frechen
Axels selbstgezogener Apfelbaum am Anne-Frank-Gymnasium in Aachen
Ich staune, dass es in Bremen diverse Veranstaltungen zum Día de muertos gibt, wo es doch ein mexikanisches Fest ist
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