Mathias in Argentinien

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Homecoming

22. Oktober 2025, 12:18:12.

Am Sonntag, dem 19. Oktober 2025, lande ich in Frankfurt. Ich hatte mal wieder eine sympathische Mitreisende im Flieger: die 19jährige Käte hatte ein Auslandsjahr bei einer argentinischen Gastfamilie in der Pampa verbracht und war nun noch einmal zu Besuch da. Wir hatten viel zu erzählen und nach den anstrengenden letzten Tagen in VGB und der langen Anfahrt bin ich nach dem Abendessen schon beim ersten Film eingeschlafen. Das Flugzeug namens Bayern landet pünktlich in Frankfurt, ich habe noch Zeit, um Zähne zu putzen und meine Rückenübungen zu machen, eh das Gepäck ankommt. Es ist alles da – nur in der Aufregung und Erschöpfung vergesse ich die Gitarre. Jörg holt mich mit dem Sven ab und wir rauschen über die A3 Richtung Kölle. Unterwegs gibt’s Stullen mit Frischkäse, Paprika und vegetarische Bällchen. Es gibt viel zu erzählen und die Wiedersehensfreude könnte kaum größer sein, auch wenn wir beide ziemlich platt sind: Jörg vom Renovieren und ich von der Reise. Carla empfängt uns in Lindenthal mit Kaffee und ich bekomme vegetarische Frikadellen und Bohnen-Mais-Eintopf. Lecker! Jörg und ich drehen noch eine Runde durch den herbstlichen Beethovenpark und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Am nächsten Tag bringt der Kurierdienst die verlorengegangene Gitarre. Halleluja! Ich klemme mich an den Rechner und suche auf einschlägigen Portalen nach Wohnungen. Es ist schon bitter: Unter €1000 mit Garten oder Balkon sind die Angebote überschaubar. Wer erinnert sich nicht an die Versprechen der Politik, dass mit der Euro-Einführung NICHTS teurer wird? Ich habe den Eindruck, die Mietpreise haben sich seitdem in Köln knapp verdreifacht…Auch die Anfrage bei der Genossenschaft ist ergebnislos. Warteliste. Kann mehrere Monate dauern. Und am 3.11. fängt die neue Schule an. Ich habe (und will eigentlich auch) kein Auto, keine Möbel. Glücklicherweise darf ich vorerst bei Carla wohnen, was menschlich passt und logistisch praktisch ist, denn von hier bin ich schnell zum Einkaufen auf der Dürener Straße, in Marsdorf (MediaMarkt) und der Kölner City. Schnell ist das Frühstücksarsenal wieder mit Cerealien, Obst und Gemüse sowie Vollkornbrot, Margarine und Käse aufgestockt. Ich baue das blaue Alltagsrad zusammen, damit ich mobil bin. Zwar baue ich die Pedalen erstmal falschherum an, doch bei der Probefahrt fällt mir dies schon auf. Ups! Beim MediaMarkt gibt’s einen neuen Standmixer für die morgendlichen Smoothies und Overnight Oats (Haferbrei) und einen neuen Bartschneider. Beide Vorgängermodelle mussten leider in Argentinien bleiben, weil das Gepäck zu schwer war. Allerdings hatten sie sich ihr Brot auch schon verdient. Das Gerät von Tefal macht jedenfalls leckere Getränke und ist leichter zu reinigen. Der Globetrotter am Neumarkt repariert die Ortlieb-Tasche vom Fahrrad, welche nach Jahren des täglichen Gebrauchs an der unteren Naht aufgeplatzt war. Die Krankenversicherungen und Gewerkschaft GEW informiere ich über meine Rückkehr. Gleich werde ich mal meinen argentinischen Personalausweis zur Post bringen und zur Botschaft nach Buenos Aires schicken. Es gibt viel zu tun! Eigentlich wollte ich mit Marco ein paar Tage nach Trier fahren, um die letzte Herbstferienwoche zu nutzen, doch er ist krank. So habe ich mehr Zeit, mich an die andere Zeitzone zu gewöhnen und Wohnungsanzeigen zu lesen. Heute Abend geht’s zur Belohnung in die Sauna. Positiv und optimistisch bleiben, sagen mir Carla und ich. Ist natürlich nicht immer so einfach. Die Käuferin des Vitos hat den vereinbarten Preis immer noch nicht vollständig bezahlt und die Wechselstube hat mir bisher nur €3890 überwiesen. Bei letzterem bin ich zuversichtlich, dass Gerdi mir die Kohle noch überweist…und bei Paola bleibt mir nichts übrig, als zu warten und zu hoffen. Was ist schon gerecht im Leben? Arschlöcher gibt’s eben überall auf der Welt. Mit Sicherheit wird sich früher oder später eine Wohnung finden. Mittlerweile suche ich in Käffern, deren Namen ich vorher nicht einmal kannte. Hürth Fischenich, Pulheim Brauweiler, Gleuel…will ich da tot über’n Zaun hängen? Sind die Menschen da vielleicht ähnlich konservativ wie in VGB? Gibt’s überhaupt Infrastruktur oder muss ich dann immer zum Einkaufen in die Stadt (Köln) fahren? Liegen die Immobilien direkt an der Autobahn oder dem Güterbahnhof Eifeltor? Oft ist ja keine Adresse angegeben, auch stehen nicht immer Namen der Vermietenden und manchmal fehlen elementare Angaben (Preis? Zimmeranzahl? Garten/Balkon? Stellplatz/Garage?). Wieder einmal kämpfe ich mit dem Eindruck, dass ich ganz schön viel verloren habe, als ich mein Leben zuerst in Köln und dann auch in Aachen aufgab. Ja, die irdischen Güter sind ersetzbar und die Sozialkontakte wollen eben gepflegt werden. Nichtsdestotrotz begehrt der kleine Mathias auf, es sei ungerecht und unverhältnismäßig, was ich für diese Erfahrungen gezahlt und geopfert habe. Klugscheißer*innen werden jetzt sagen: „Das hast Du doch so gewollt!“ Bullshit. Dass ich aus der sogenannten Deutschen Schule VGB gemobbt werde, habe ich nicht gewollt und ich wünsche diese Erfahrung auch niemandem. Was es mich finanziell gekostet hat, meine Kölner und Aachener Wohnungen zu verramschen und vorzeitig aus Argentinien zurückzukommen, möchte ich gar nicht so genau überschlagen. Von den zwischenmenschlichen Beziehungen am Anne-Frank-Gymnasium, zu meinen Nachbar*innen, dem Alpenverein und den Steiftieren ganz zu schweigen. Ja, Köln hat sich selbstredend ebenfalls verändert. Das Verkehrsaufkommen hat zugenommen, der Verkehr hat sich verändert (eine Fahrradspur auf den Ringen! So viele Lastenräder!! So viele Menschen!!!), viele bekannte Geschäfte sind verschwunden, etc. Leben heißt Veränderung und wie das chinesische Sprichwort sagt, kann Mensch nicht zweimal durch denselben Fluss gehen. Dies jedoch zu mit eigenen Augen zu sehen, ist immer wieder überraschend, wenn ich aus dem Ausland zurückkomme. Die Menschen leben ihr Leben, machen Ferien/Urlaub, arbeiten, misten aus, renovieren, ziehen um, sind krank, haben Termine…auch ohne mich. Es ist schon eine Herausforderung, anzukommen – selbst hier in Köln. Gestern Nacht habe ich von Katzenbabys geträumt. Vielleicht ergibt sich ja da etwas, sobald ich eine eigene Wohnung gefunden habe. Und die Zeit rast. Ein Blick auf den Kalender verrät, dass in gut zwei Monaten Weihnachten ist. Die Zeit heilt viele Wunden. Seien wir gelassen und optimistisch!

18. Oktober 2025, 17:01:16.

Zwei Gepäckwagen bilden meine Wagenburg am Flughafen von Buenos Aires

Stille Tage in Córdoba

18. Oktober 2025, 16:59:47.

Was fehlt noch? Als ich morgens in Catamarca tanken fahre, ist die Windschutzscheibe voller Insekten. Ich weiß noch, als ich klein war...da war das in Europa auch normal. Bei einer längeren Autofahrt musste zwischendurch mal die Windschutzscheibe geputzt werden. Heutzutage hat der Insektenbestand so abgenommen, dass es kaum noch notwendig ist... Nach dem Tankstop kreuzen zwei (!) Füchse die Landstraße. Als Stadtkind freue ich mich ja schon, wenn ich EINEN Fuchs sehe, doch gleich zwei...ich bin ganz aus dem Häuschen! Wie letzte Woche in Argentinien vergeht wie das Ende vom Zauberberg. Zum Glück fängt der Krieg (noch) nicht an und der Held lebt auch (noch), aber ich wasche, putze und wachse das Auto, räume das Haus und den Garten auf, und sortiere meine Klamotten: Was kommt mit, was bekommen Weking, Soraya, Julieta und Mateo, und was kommt in den Müll. Weking ist erstaunlich offen für Spenden. Selbst meinen letzten Gemüseeintopf ("Zur Not bekommen ihn die Hunde...oder sonst die Hühner.") nimmt er gerne. Auch meine Lichterketten (Danke, Familie Haasenstrauch), der Mixer (während der Pandemie bei Saturn am Hansaring gekauft) und mein Bartschneider (aus dem Rossmann auf der Landmannstraße in Ehrenfeld...als es ihn noch gab) müssen hierbleiben. Am Mittwoch ist das letzte Mal Basketball. Ich kaufe Chorizos (Paprikawürste), Brot und Kohle. Nach dem Training grillen wir und sitzen noch bis nach Mitternacht hinter der Sporthalle. Die Jungs trinken Bier, Wein, Wein mit Weiß- oder Rotwein oder -typisch für die Provinz Córdoba- Fernet-Cola. Die Stimmung ist ausgelassen, es wird viel gelacht...aber innerlich bin ich traurig. Das Team hat mich von Anfang an mit offenen Armen empfangen, hat mich aufgebaut, als es in der Schule immer bescheidener lief, und das gemeinsame Sporteln und Herumalbern tut einfach gut. Zum Glück gibt's ja in Aachen die Steiftiere und vielleicht finde ich ja in Köln auch wieder eine nette Truppe... Am Donnerstag Abend findet bei Soraya und Weking das letzte Abendmahl statt. Es gibt Empanadas, Dosenbier und als Nachtisch einen halben Liter Eis. Auch diese beiden Menschen, unsere sportlichen Exkursionen und unsere Gespräche werden mir fehlen. Nicht alle Menschen in Argentinien sind doof! Vielleicht sollte ich sogar sagen, außerhalb der sogenannten Deutschen Schule sind sie sogar sehr nett. Spannend wird es natürlich am Freitag, dem 17.10., weil ich das Auto umschreiben lasse, die Schlüsselübergabe stattfindet und abends mein Bus nach Buenos Aires fährt. Die ersten beiden Veranstaltungen laufen gut (wenn auch zäh...die argentinische Bürokratie werde ich nicht vermissen!). Den Bus verpasse ich, weil ich mich mit der Abfahrtzeit vertue: Statt 20.25h schlagen Weking und ich erst um 20.35h auf, weil ich von 20.45h ausgehe. Kurzerhand fahren wir dem Bus hinterher und erwischen ihn, als er gerade in Santa Rosa losfährt. Ich schmiere die Busfahrer, damit sie meine vielen Gepäckstücke mitnehmen (zwei Fahrradkartons, ein Koffer, ein Rucksack und die Gitarre...und das Handgepäck. Mit §20.000 bin ich dabei.). Im Bus unterhalte ich mich mit netten Damen. Besonders eine 73jährige Wolga-Deutsche, die neben mir sitzt, und ich, haben viel zu erzählen. Ihre Eltern sind whrend des Krieges geflohen und sie ist in Argentinien geboren und aufgewachsen. Sehr spannendes Leben! Ja, sie ist früher auch viel geklettert und reist immer noch viel. Ihre vier Kinder sind groß, ihr Mann und ihre Eltern gestorben...warum nicht?! In Buenos Aires angekommen muss ich einen Kofferträger beauftragen, mit mir das Gepäck zum Parkplatz zu tragen bzw. auf seiner Sackkarre zu transportieren (beide Radkartons und den Koffer). Den Rest schultern wir. $40.000. Das bestellte Lastentaxi kommt und auf der Fahrt erzählt mir der Falkland-Veteran ("Las Malvinas son argentinas!" heißt es auf unzähligen Schildern und Aufklebern) sein Leben. Auf der Toilette im Flughafen mache ich Morgentoilette und aktualisiere meinen Blog. Zum letzten Mal in Argentinien. Wenn alles rund läuft, überweist die Wechselstube nächste Woche das Geld für die Eule. Auf zu neuen Abenteuern!

18. Oktober 2025, 16:32:41.

Kakteen blühen wohl selten, doch ich Glückspilz werde von der Natur reich beschenkt. Diesen Cardón hatte der Nachbar absägen lassen. Ich habe ihn einfach in eine Ecke im Garten bei den Calandrias gestellt und gegossen... und siehe da: Er blüht so heftig, dass das Gewicht der Blüten ihn glatt umwerfen! Am nächsten Tag baue ich ihm ein Gestell.

18. Oktober 2025, 16:29:46.


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