Mathias in Argentinien

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03. Dezember 2025, 22:14:08.

Am Montag spielte die schwedische Rockband The Hives im Kölner Palladium. Was für eine Energie!

Kulturschock

03. Dezember 2025, 22:12:32.

„Der Begriff Kulturschock bezeichnet den schockartigen Gefühlszustand, in den Menschen verfallen können, wenn sie mit einer fremden Kultur zusammentreffen. Der Begriff „culture shock“ wurde 1951 von der US-amerikanischen Anthropologin Cora DuBois eingeführt. Kalervo Oberg erweiterte diesen Begriff, um ihn allgemeiner anzuwenden, und führte eine Theorie basierend auf vier Phasen ein (Honeymoon-Phase, Krise, Erholung und Anpassung). (…) Der Begriff Kulturschock beschreibt einerseits den schockartigen Sturz aus der Euphorie in das Gefühl, fehl am Platze zu sein (Zeitpunkt). Zum anderen verwendet Oberg das Wort auch für den gesamten Prozess der Krise, die ein Mitglied einer Kultur beim Einleben in einer anderen Kultur (Akkulturation) durchlaufen kann (Zeitdauer). (…) Der australische Psychologe Ronald Taft stellte 1977 die folgenden Ursachenfaktoren für einen Kulturschock auf: • Stress aufgrund der Belastung, die notwendigen psychischen Anpassungsleistungen zu erbringen; • ein Gefühl des Verlustes in Bezug auf Freunde, Status, Beruf und Besitztümer; • ein Gefühl der Ablehnung, weil man sich von Mitgliedern der neuen Kultur abgelehnt fühlt oder diese selbst ablehnt; • Verwirrung über die eigene Rolle, über die Rollenerwartungen anderer, über Werte, über die eigenen Gefühle und die eigene Identität; • Überraschung, Angst und Empörung, nachdem man sich des vollen Ausmaßes der kulturellen Unterschiede bewusst wird; • Ohnmachtsgefühl, weil man meint, mit der neuen Umgebung nicht zurechtzukommen.“ So wird der Begriff Kulturschock bei Wikipedia definiert. Besonders die sechs von Taft beschriebenen Ursachenfaktoren habe ich in Argentinien durchlebt. Kurioserweise erlebe ich nun Teile davon wieder. Dabei sollte doch eigentlich alles im grünen Bereich sein, oder?! Bin doch -nach zehn Jahren und über Umwege nach Aachen und Villa General Belgrano- „endlich“ wieder in Köln. Was braucht der Mensch mehr zum Glücklichsein?!? Selbstverständlich ist es ein Prozess, sich an der neuen Arbeitsstelle zurechtzufinden. Dies bedarf Zeit, Geduld und Energie. Fehler sind vorprogrammiert. Wer macht was? Wie sind die Abläufe? Wo finde ich was? Usw. Besonders nach den traumatischen Erfahrungen in der sogenannten Deutschen Schule Villa General Belgrano ist es nicht verwunderlich, dass mein Selbstbewusstsein gelitten hat, mein Ego angekratzt ist und meine Lehrerpersönlichkeit gehörig in Frage gestellt wurde. Damit einher gehen natürlich Sorgen und Ängste, dass sich sowas in Frechen wiederholen könnte, selbst wenn es aktuell dafür kaum bis wenig Anzeichen gibt. Ja, pubertierende Jugendliche testen ihr soziales Umfeld, kompensieren persönlichen Stress, entwicklungspsychologische und körperliche Veränderungen und mitunter eben auch ähnliche Gefühle, wie ich sie in Argentinien erlebt habe – weit weg von der Heimat, den zurückgelassenen Menschen und Tieren, und allem Bekannten. Wer könnte besser verstehen als ich, was meine Schüler*innen aus Afghanistan, Syrien, der Ukraine, der Türkei, Indien, Albanien, dem Kosovo, Bangladesch, Rumänien, Polen, China, etc. durchmachen? Ja, viele Menschen in Deutschland sind kalt, humorlos und distanziert, lärmen weniger als manche andere Völker, und haben vielleicht sogar andere Werte und Normen. Dennoch helfen solche Verallgemeinerungen nur bedingt, um ein Miteinander zu verbessern. Erst als ich erfahren habe, dass Mensch in Argentinien Prüfungen ablegen muss, um an staatlichen Universitäten zugelassen zu werden, habe ich verstanden, warum vielen Schüler*innen und ihren Eltern die Schule, Schulpflicht, Hausaufgaben und vermeintlich angemessenes Sozialverhalten scheißegal zu sein scheint. Wenn auch Firmen in Argentinien mit diesem Anspruch an ihre Mitarbeitenden herantreten, dann braucht sich die Kundschaft nicht zu wundern, dass manche Dienstleistungen eben etwas länger dauern. Doch haben wir Deutschen denn wirklich so gut reden? Die Hamburger Elbphilharmonie, der Stuttgarter Hauptbahnhof 21, der Berliner Flughafen BER oder die Kölner Oper sind doch Projekte, die nicht gerade für Pünktlichkeit und Einhaltung von Regeln oder Verträgen sprechen. Ich bemühe mich, jedem Kind/Jugendlichen eine Chance zu geben (oder auch zwei oder drei) und dies nicht von ihrer Nationalität oder Sprache abhängig zu machen. Bisher haben sich die vermeintlichen „Ausländer*innen“ auch gut benommen – nur die sogenannten „Biodeutschen“ tanzen manchmal aus der Reihe. Zu quatschen, statt die Vertretungsaufgaben zu erledigen, Gegenstände durch den Klassenraum zu werfen, statt zu lernen, mich mit Kuscheltieren zu bewerfen, statt ruhig zu arbeiten…das waren -soweit ich das einschätzen kann- Menschen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Vielleicht habe ich ja Glück und darf auch in Zukunft in erster Linie in der Willkommensklasse arbeiten. Das hat mir zumindest der Schulleiter signalisiert… Die Wohnungssuche ist ermüdend. Täglich schreibe ich Nachrichten an Vermieter*innen, die mitunter nicht einmal mit ihrem Namen inserieren. Die Objekte sind teilweise ohne Fotos angeboten. Eine Postanschrift fehlt stellenweise auch. Ja, ich bin alt(modisch). Dabei wüsste ich schon gerne, wie weit es zu meiner Schule ist, wie die Wohnung aussieht, wohin die Fenster zeigen, ob Küche & Bad überhaupt eins haben, usw. Die Preise sind komplett phantastisch. Bin ich 2001 noch in eine 48qm-1-Zimmer-Wohnung mit Wohnküche, 6qm-Balkon, Keller, Waschkeller und Garage für DM660,- gezogen, so kosten ähnliche Objekte heutzutage gerne mal €1200. Die Preise haben sich also in rund zwanzig Jahren verdreifacht. Nicht alle Vermietenden können antworten, weil sie Hunderte oder gar Tausende von Nachrichten erhalten. Aus Sicherheitsgründen (wie es heißt) würden die Adressen nicht preisgegeben. Gestern hat mir eine Frau, die angeblich in Spanien lebt, mir erklärt, ich müsse ihre möblierte Wohnung über booking.com (ein Portal für Ferienwohnungen) buchen. So könne ich sie mir anschauen. Bei Gefallen würde sie mir den Mietvertrag zuschicken, usw. Bei Nicht-Gefallen könne ich die Buchung kostenlos stornieren. Soll ich das glauben oder ist das eine Falle? Heute hatte ich einen Wohnungsbesichtigungstermin in Nippes, gegenüber der Flora. Naja, zwischen Zoobrücke (sechsspurig) und Amsterdamer Straße (vierspurig mit Straßenbahn). Leider war die aktuelle Mieterin nicht zugegen, sodass die Besichtigung leider ausfallen musste. Dies erfuhr ich, als ich den Vermieter anrief, weil niemand vor dem Mietshaus stand. Ich hatte mich so beeilt, um die 15Km aus Frechen so schnell wie möglich zurückzulegen. Die 8Km Heimweg nach Lindenthal haben dann mein Sportprogramm abgerundet, denn mein Schulweg ist 10Km lang…abends war ich eigentlich zum Klettern verabredet, doch momentan freue ich mich über jeden Termin, der ausfällt. Mein Kletterpartner kränkelt, so dass ich Wäsche waschen, Abendessen (belegte Brote und Joghurt) und Siesta machen kann, anstatt 18Km in die Kletterhalle nach Wesseling (kurz vor Bonn) und zurück zu radeln. Außerdem komme ich so mal früher ins Bett. Ja, die Anpassungsleistung an die Wohnsituation (aus dem Koffer zu leben, nicht zu Hause sondern zu Gast zu sein, nicht über meine Lehrmaterialien und Kleidung zu verfügen, keine eigenen Möbel zu haben) stellt schon eine Belastung dar. Sicherlich habe ich meine Besitztümer nicht verloren (sie sind ja -hoffentlich trocken- bei Freunden in Aachen und Eschweiler eingelagert), doch bisher habe ich noch keinen Lohn für November und Dezember erhalten und entsprechend €1200 Miese auf dem Konto. Auch die Freundschaften im Rheinland wollen mühsam wiederbelebt werden. Da kommt schon mal das Gefühl des Verlusts (oder zumindest der Gefährdung eines Verlusts) auf. Tja, das Gefühl abgelehnt zu werden, ist, denke ich, den meisten Kindern aus sozioökonomisch schwach aufgestellten Familien anerzogen. Vielleicht nicht direkt von ihrem sozialen Umfeld, doch von anderen Teilen der Gesellschaft. Ich muss mir erst wieder ein „Standing“, einen Ruf, an der neuen Schule erarbeiten, und meine Minderwertigkeitskomplexe ablegen, ohne dabei den Kontostand aus den Augen zu verlieren, muss Immobilienbesitzer*innen kontaktieren, ohne die Hoffnung zu verlieren, und meinen Stundenplan basteln und den Unterricht vorbereiten, ohne mich zu überfordern. Die letzten zwölf Monate haben jedenfalls mal wieder ordentlich an meiner Identität gerüttelt. Mag sein, dass manchen Menschen sagen, ich sei „selbst schuld“ oder habe es „nicht anders gewollt“. Dem möchte ich vehement widersprechen. Ich wollte weder meine Wohnungen in Köln und Aachen aufgeben noch meine Freund*innen verlieren oder aus der Schule in Argentinien gemobbt werden. Auf all' dies hätte ich gut und gerne verzichten können. Bin ich ohnmächtig, weil ich in meiner alten und gleichzeitig neuen Heimat nicht zurechtkomme? Ich versuche es zumindest geduldig zu ertragen und das zu ändern, was in meiner Macht liegt: Wohnungsannoncen lesen, Vermieter*innen schreiben, beten und hoffen, dass sich an der Wohnsituation bald etwas ändert - möglichst zum Positiven. Derweilen bemühe ich mich, Sport zu treiben und am kulturellen Leben teilzunehmen.

"Fick' Deinen Vater, du Bastard!"

28. November 2025, 14:54:01.

So schalt es durch eine Gasse in Frechen. Die vier Jungen versuchen gleichzeitig ein Handy anzugucken. Sie sind vielleicht 10-12 Jahre alt. "Bestimmt sind sie von der Real- oder Hauptschule", versichere ich mir selbst. Bisher habe ich fast nur gute Erfahrungen an der neuen Schule gemacht. Besonders die Kinder und Jugendlichen in den internationalen Gruppen sind freundlich, hilfsbereit und fröhlich. Natürlich gibt es auch stillere, introvertiertere Typen oder eben die ukrainische Fraktion, die eben viel auf Ukrainisch redet und sich kaum für das Deutschlernen oder andere Menschen zu interessieren scheint. Nur gut, dass ich in Aachen auch Ausnahmen kennengelernt. Hier am Gymnasium Frechen gibt's auch chinesische junge Menschen, die keine Lust zu lernen haben. Es zeigt sich mal wieder, Nationalitäten sagen nichts über Intelligenz, Begabung oder Erziehung aus.

16. November 2025, 22:43:06.

Der Herbst erobert zunächst nur mit niedrigen Wolken die Stadt am Rhein...

16. November 2025, 22:41:44.

Von meiner neuen Schule habe ich einen guten ersten Eindruck.

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